Frank Körver - Naturfoto, Uhu

Galerie 227 – Bubo bubo

2018 trat er erstmals mit Wucht in mein „Fotogafenleben“. Der Uhu – Bubo bubo. Unmittelbar neben unserem Haus balzte vom Winter bis in den April hinein ein Uhumännchen. Es umwarb sein Weibchen, dass sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe tagsüber im Wald aufhielt.

Mit Beginn der Dämmerung ertönte der unverwechselbare tiefe und weit tragende Ruf des Männchens. Es war herrlich nachts im Bett den Rufen der Balz zu lauschen, die aus dem Wald neben dem Haus zu hören waren. Meine Hoffnung auf eine nachfolgende Brut wuchs ständig. So konnte ich nach langem Suchen im April 2019 das Weibchen bei der Bodenbrut beobachten. Fast einen ganzen Monat saß das Muttertier auf dem Nest. Das Frühjahr 2019 war sehr kalt und vor allem extrem nass. Eines Tage musste ich feststellen, das das Weibchen die Brut aufgegeben hatte. Ein Schock, denn ich war natürlich schon in freudiger Erwartung, die Jungvögel und eventuell die Alten bei der Aufzucht beobachten oder gar fotografieren zu können. Außer ein paar nachfolgnden Balzversuchen des Männchens tat sich aber zu meiner Enttäuschung nichts mehr. Schlimmer noch, nach der verheerenden Borkenkäferplage starben auch die Fichten ab, in denen die Uhus tagsüber geruht hatten. Ihrer Deckung beraubt, verließen sie die Gegend. Eine Katastrophe …

Die nächste Katastrophe folgte im März 2021, als die örtliche Presse in ihrem Informationswahn den Neststandort eines bis dahin nur in Fachkreisen bereits bekannten Uhuhorstes preis gab. Die Folge waren Völkerwanderungen zum Uhunest. Folksfestähnliche Zustände in Steinwurfentfernung zum Nest waren die Folge. An Fotografie war hier nicht zu denken …

Im selben Frühjahr sollte sich das Blatt aber wieder zu meinen Gunsten wenden. Einer meiner „Späher“ meldete mir Junguhus in einer Felswand, die er zufällig entdeckt hatte. Bereits bei der ersten Erkundung konnte ich mein Glück kaum fassen. Drei prächtige Jungvögel in malerischer Kulisse! Der Informant wurde zur Verschwiegenheit vergattert und in der Folge verbrachte ich mutterseelenallein viele herrliche Morgen- und Abendstunden mit dem Beobachten und Fotografieren der Aufzucht.

Was kleine Uhus am liebsten tun, ist tagsüber auszuruhen. Das ist auch nötig, denn mit Beginn der Dämmerung werden sie putzmunter und hüfpen flügelschlagend auf den Felsklippen umher. Anfangs machte ich mir große Sorgen, das einer der kleinen unbeholfenen Federbälle die Klippen herabstürzen könnte. Bald merkte ich aber, das dies zur Uhukindheit einfach dazu gehört. Tatsächlich ging alles glatt und auch wenn ich eines der Kleinen mal eine Zeit lang vermisste, war es bei der nächsten Begegnung wieder vor Ort.

Frank Körver - Naturfotografie, Uhu, Bubo bubo L.
Wildes Geflatter der Junguhus in der Abenddämmerung

Wenn die Jungvögel über Tag ruhen, und das tun sie meistens, dann haben sie ihre großen orange leuchtenden Augen meist geschlossen. Jede Frau wäre neidisch auf diese großen Augenlieder und ihre mögliche Schminkfläche. Auffallend ist, das das untere Augenlied den größten Teil des Auges verdeckt, anders als man es gemeinhin vom Rest der Tierwelt kennt.

Frank Körver - Naturfotografie, Uhu, Bubo bubo L.
Die großen Augenlider schützen die lichtempfindlichen Augen

Kommen Mauersegler oder andere vorbeifliegende Vögel dem Brutfelsen nahe, schlagen die kleinen Nestlinge sofort ihre großen Augen auf und verfolgen die Flugakrobaten bei ihren schnellen Manövern. Dabei kann man die unglaubliche Fähigkeit der Uhus bewundern, ihren Kopf um bis zu 270 Grad zu drehen. Man glaubt auch ein wenig Neid im Blick der Kleinen zu erkennen, denn ihr erster Flug lässt trotz bereits gut entwickeltem Federkleid offensichtlich noch auf sich warten.

Im Rahmen des täglichen Dösens ist der Genuß der frühen Morgensonne besonders beliebt. Die Vögel wenden dann entweder das Rückengefieder oder meistens doch die Brust mit leicht geöffneten Schwingen der Sonne entgegen. Blinzelnd genießen sie ganz offensichtlich die Wärme nach der kühlen Nacht.

Frank Körver - Naturfotografie, Uhu, Bubo bubo L.
Mit leicht geöffneten Schwingen genießt der Uhu die Morgensonne

In Pfasen des Wohlbefindens nach der Gefiederpflege kommt es selten schon mal vor, dass einer der Jungvögel den Schnabel aufreißt, was sich für ein ansprechendes Foto gut macht.

Auch wenn ich die Balz der Uhus als sehr rufintensiv erlebt habe, ist das Verhalten am Nest von Stille geprägt. Selbst wenn sich tagsüber einer der Altvögel nähert, quittieren dies die Jungvögel nicht mit Bettellauten. Lediglich vom abstreichenden Altvogel waren in dieser Zeit Rufe zu hören. Diese Momente waren aber sehr selten, so dass ich lediglich vier mal die Gelegenheit hatte, einen der Altvögel am Nest anzutreffen. Entsprechend rar waren die Fotomöglichkeiten.

Die Altvögel versorgen ihren Nachwuchs liebevoll mit allerlei leckerem. Aus der Distanz waren Vogelschwingen oder auch mal ein Hasenfuß zu erkennen. Fakt ist, dass der Uhu bei seinen Beutezügen ein echter Profi ist. Vom Igel über Hasen, Vögel und sogar andere Eulen und Greifvögel schlägt er einfach alles.

Nach dem Frühstück beschäftigen sich die Jungvögel, bereits wie die Alten, mit der ausgiebigen Gefiederpflege. Dabei wird jedes einzelne Federchen durch den Schnabel gezogen und anschließend sorgsam in das Gefieder einsortiert. Anschließendes Recken und Strecken des Körpers und der Flügel ist ebenfalls sehr beliebt. Manchmal nehmen die Dehnübungung schon Ähnlichkeit mit der Drohhaltung älterer Vögel an. Sehr imposant …

Frank Körver - Naturfotografie, Uhu, Bubo bubo L.
Die Dehnübungen der Jungvögel ähneln manchmal einer Drohhaltung

Zur Fototechnik gibt´s nicht viel zu sagen. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse und der langen Telebrennweiten waren hohe ISO-Einstellungen notwendig. Unter ISO 1600 ging eigentlich gar nichts. Die beiden Telebrennweiten wurden mittels 1.4 und 2.0 Konvertern (eigens noch schnell bei ebay-kleinanzeigen gekauft), manchmal auch beide gemeinsam, zu beachtlichen Brennweiten verschraubt. Somit kam von 500 mm bis 1680 mm, in Kombination mit der 7D Mark II sogar 2000 mm, alles zum Einsatz. Zur Vermeidung von Erschütterungen nutzte ich natürlich mein stabiles Stativ mit Sachtlerkopf und einen Kabelauslöser. Der superschnelle AF der EOS R6 war hier besonders hilfreich. Trotz des Einsatzes der Konverter stellte der Bolide beide Objektive tadellos und blitzschnell auf die Augen der Tiere scharf. Wirklich einsame Klasse! Die Qualität der Aufnahmen bei solch schwierigen Bedingungen war bei der R6 einfach tadellos. Auch die schnelle Bildfolge und der elektronische, erschütterungsfreie Verschluss konnte punkten. Die 7D Mark II viel dagegen in Sachen Schärfe und Rauschverhalten so weit ab, dass ich letztlich kein einziges Bild dieser Kamera verwendet habe.

Auch bei den Videoaufnahmen machte der AF eine sehr gute Figur. Nur selten verlor er die Augen der Vögel aus der Schärfe. Dies war meistens der Fall, wenn sich wegen des Windes die Vegetation direkt neben dem Vogel stark bewegte. An Schwenks oder gar manuelle Zoomfahrten war wegen der langen Brennweite und den möglichen Erschütterungen nicht zu denken. Insgesamt aber mal eine schöne Gelegenheit, sich auch mal mit der Videofunktion der Kamera zu beschäftigen.