Wildkatze, Frank Körver, Naturfotografie

Auf leisen Pfoten durch den Westerwald

Wildkatzen sind selten, Wildkatzen sind heimlich, Wildkatzen sind scheu. Dies sind die Attribute, die mit diesen wunderschönen Tieren verbunden werden. Ob sich die landläufige Meinung bestägen lässt? Das erfahren sie hier …

Schon lange steht die Wildkatze auf meinem „Beobachtungszettel“. Immer mal wieder hatte ich in der Vergangenheit flüchtige Begegnungen mit den heimlichen Tieren. Mal erwischte ich die Katze bei der Mäusejagd im Wald, ein anderes Mal konnte ich Jungtiere beim Spiel beobachten. Die intensivste Beobachtung waren drei winzig kleine Kätzchen vor ihrer Wurfhöhle. Allen Gelegenheiten gemeinsam war die Tatsache, dass ich nie einen geeigneten Fotoapparat zur Hand hatte. Das sollte sich ändern, denn ich wollte die nächtlichen Jäger mit Hilfe einer Fotofalle erwischen.

Auf leisen Sohlen schleicht die Wildkatze ins Bild. Weder die Blitze, noch das Kamerageräusch stören sie.

Die beste Jahreszeit

Grundsätzlich hat man natürlich das ganze Jahr über die Chance, eine Wildkatze zu erwischen. Dennoch gibt es bestimmte Zeiten, zu denen die Wahrscheinlichkeit für Katzenbegegnungen steigen. Na klar, da wäre natürlich die Paarungszeit im Januar bis März. Aber auch die Sommermonate sind gut geeignet, die dann umherstreifenden Jungkatzen anzutreffen.

Geeignete Aufnahmeorte

Hier sind besonders große und stille Waldgebiete geeignet. Aber auch normale, aber reich strukurierte Wälder geeignet. Zunächst gilt es, an geeigneten Stellen mit Baldrian präparierte Lockstoffpfähle im Wald zu verteilen. Erst wenn die rauhe Oberfläche der Pfähle mit einem feinen Haarflaum überzogen sind, kann man davon ausgehen, dass eine Katze den Lockstock angenommen hat. Dann ist die Zeit gekommen, mit einer Wildkamera diese Stellen zu überwachen. Mit etwas Glück hat man bald die ersten Wildkatzenfotos auf der Wildkamera. Nun ist der Zeitpunkt für die Intensivierung der Bemühungen gekommen.

Wie geht´s weiter?

Nun kommt es darauf an, in der Nähe zum Lockstock geeignete Fotolocations zu finden. Hier eignen sich besonders erhöhte und exponierte Stellen, auf die man die Katze nun mit Hilfe des Baldrians locken kann. Da die später eingesetzte Spiegelreflex-Kamera aufgrund der Dunkelheit keine Autofocusfunktion hat, muss durch die Wahl der Örtlichkeit darauf hin gearbeitet werden, dass sich die Tiere in der vorher gewählten Schärfeebene aufhalten. Das ist nicht ganz einfach!

Die Fotofalle

Kernstück der Bemühungen ist natürlich die Konstruktion der Fotofalle. Von der Stange gibt es solche Fotofallen leider nicht. Somit ist der Erfindungs- und Tüftlergeist des Fotografen gefragt. Aus meiner Sicht kommt es auf folgende Eckpunkte bei der Konstrukion an:

  • die gesamte Konkstruktion muss wetterfest sein, das Objektiv sollte vor Regen geschützt sein
  • Wartungsarbeiten an der Fotoausrüstung sollten möglichst leicht durchführbar sein
  • Die Kamera kann sowohl im Quer- als auch im Hochformat eingesetzt werden
  • Die Fotofalle sollte mit verschiedenen Objekiven betrieben werden können
  • die Auslösegeräusche der Kamera sollten möglichst vom Gehäuse unterdrückt werden
  • das Objektiv sollte von einem Filter geschützt sein, der ggfs bei Beschädigung oder Verschmutzung gewechselt werden kann
  • das Lichtschrankensystem sollte robust und zuverlässig sein. Es sollte die Kamera und die Blitze aus dem Standby-Betrieb aufwecken können
  • die Akkus der Blitze und der Kamera müssen über einen längeren Zeitraum durchhalten
  • durch mehrere Blitze und deren Einfallswinkel sollten Schlagschatten und rote Augen im Motiv vermieden werden. Mindestens ein Blitz sollte den Hintergrund aufhellen oder als Gegenlicht eingesetzt werden
  • ein Zugriff auf die Kamera und ein möglicher Diebstahl des Equipments sollte durch die Konstruktion wirkungsvoll verhindert oder zuminstest erschwert werden
  • die gesamte Ausrüstung sollte möglichst leicht und transportabel sein, sowie sicher stehen
  • die gesamte Ausrüstung sollte durch Farbe und Form gut getant sein. Hier geht es nicht um die Katzen, sondern um menschliche Störungen. Ein Tarnnetz kann hier helfen
  • eine ausreichende Zahl an Wildkameras erleichtert das Überwachen verschiedener Lockstock-Stellen

Oben einige Fotos aus der Bauphase meiner Foto-Fallen-Konstruktion. Der eckige Einsatz kann die Kamera wahlweise im Hoch- als auch im Querformat in das Gehäuse einpassen (Schublade). Das Objektiv ist durch einen Schraubfilter geschützt. Ein später angebrachter Regenschutz hält das Objektiv trocken. Das Fallengehäuse ruht auf einem stabilen Stativ mit 3-Wege-Neiger. Der Lichtschrankensensor ist oben auf der Fotofalle installiert. Er weckt die Kamera und die Blitze aus dem Standby-Modus auf und löst die Kamera aus. Die Kamera überträgt wiederum das Blitzsignal und löst damit die Blitze aus. Das gesamte Gehäuse ist fest verschraubt und mittels eines Stahlkabels an einem Baum gesichert. Nach der Installation wird die gesamte Konstruktion mit einem Tarnnetz getarnt. Einmal eingerichtet, kann das System etwa eine Woche im Dauerbetrieb ohne Wartung sein. Die Blitze werden jeweils im manuellen Betrieb und halber Blitzleistung betrieben. Die Kamera wird manuell auf f8, ISO 400 und 1/250 sec eingestellt. Der Autofocus und Stabilisator sind deaktiviert. Der Focus ist manell voreingestellt.


Darf´s ein bisschen mehr sein?

Wenn Ihnen meine aktuellen Motive gefallen haben, dann schauen Sie sich doch gleich mal die komplette Motivpalette der letzten Jahrgänge an. Es lohnt sich!