Frank Körver - Naturfotografie, Brunfthirsch

Galerie 203 – Viel Lärm um ein bisschen Sex

Jægersborg Dyrehave (zu Deutsch – Jægersborg Hirschpark) ist ein Park im Norden von Kopenhagen und seit Juli 2015 ein Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Parforce-Jagdlandschaft Nordseeland.

Jægersborg Dyrehave

Der sehr schöne Wildpark Jægersborg Dyrehave liegt nur 10 km von der Kopenhagener City entfernt und erstreckt sich über eine Fläche von rund 1700 ha mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 8 km Länge. Seitdem König Frederik III. im Jahr 1671 den Jagdpark gründete, ist er ein königliches dänisches Jagdrevier, in dem auch heute noch königliche Jagden abgehalten werden. Das gesamte Gelände ist durch einem massiven Zaun vom Umland getrennt und kann durch verschiedene Eingangstore zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenfrei betreten werden. Schon aus landschaflicher Sicht ist der Park ein echter Hingucker. Große ungemähte Wiesen wechseln sich mit urigen Huteeichen oder wunderschönen Laubmischwäldern ab. Das alte Jagdschloss, die Erimitage, liegt inmitten des Parks auf einer Anhöhe. Auch die in Steinwurfentfernung vorgelagerte Ostsee lockt mit ihrem Strand und möglichen Motiven.

Der Park und seine Umgebung

Das Wegesystem erschließt den Park in allen Bereichen. Es darf zum Schutz des Wildes aber von den Besuchern nicht verlassen werden. Das verlassen der Wege ist aber auch nicht nötig, denn das Wild akzeptiert die Nähe der zahlreichen Besucher des Parks. Reiter, Radler, Jogger und Spaziergänger bewegen sich in trauter Eintracht zum brunftenden Rotwild. Selbst die im Park stattfindende Jagd, und der Abschuss einzelner Tiere durch die zuständigen Förster, tut der Zutraulichkeit der Wildtiere kaum einen Abbruch.

Viel Lärm um ein bisschen Sex

Hauptdarsteller von Jægersborg Dyrehave sind allerdings die kapitalen Hirsch und ihre zahlreichen „Damen“. Ende September gehen die Hirsche keiner Rauferei aus dem Weg und bei der Hirschbrunft gibt es feste Rituale. Die Hirsche urinieren in Erdkuhlen, die sie vorher mit den Vorderläufen aufgewühlt haben, um sich darin zu suhlen und ihr Revier zu markieren. Mit dem Harn scheiden sie auch Duftstoffe aus, die wiederum das Paarungsverhalten der Hirschkühe beeinflussen.

Wer das Kahlwild – also die weiblichen Tiere — begatten darf, muss ein stattliches Geweih auf dem Kopf haben, mit dem sich die Gegner einschüchtern lassen. Doch Optik ist nicht alles. Außerdem gibt es auch ordentlich was auf die Ohren! Das Röhren der Hirsche soll die Konkurrenz beeindrucken. Wer am lautesten über den Brunftplatz ruft, hat bei den Damen die besten Chancen. Unüberhörbar dröhnt der tiefe und langgezogene Ruf. Taucht ein kampfwilliger Konkurrent auf dem Brunftplatz auf, so schreiten die Hirsche zunächst im Imponierschritt parallel zueinander, um sich gegenseitig die Breitseite zu zeigen. Die meisten Nebenbuhler lassen sich vom Platzhirsch schnell durch die Lautstärke der Brunftschreie oder kurze Scheinattacken beeindrucken und suchen das Weite. Erst wenn beide Gegner standhaft bleiben, kommt es zum Kampf. Die Hirsche prallen frontal mit den Geweihen aufeinander und schieben sich über den Brunftplatz. Der Kampf endet erst, wenn einer der Gegner seine Unterlegenheit spürt und aufgibt. Äußerst selten wird einer der Kontrahenten im Kampf getötet. Verletzungen sind hingegen die Regel. Dies alles zehrt an den Reserven der imposanten Tiere. So verlieren Platzhirsche während der Brunft bis zu 20% ihres ursprünglichen Körpergewichts.

Anreise und vor Ort im Park

Jægersborg Dyrehave ist von Frankfurt a.M. in etwa 10 Stunden Autofahrt zu erreichen. Neben der Fähre von Puttgarden nach Rodby gibt es die gebührenpflichtige Brücke über den großen Belt. Natürlich wird sich der Leser fragen, ob sich die lange Anreise denn auch lohnt und ob man nicht vielleicht Rotwild mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck vor der eigenen Haustür fotografieren kann. Das kann man natürlich versuchen, doch um lediglich ein einziges der gezeigten Motive zu ergattern, müsste man in heimischen Wäldern Wochen auf Achse sein und auch dann wäre der Erfolg zweifelhaft. Von der immensen Störung des scheuen heimischen Rotwildes einmal ganz abgesehen. Also, es lohnt auf jden Fall, denn Jægersborg Dyrehave gehört zu den Hotspots für Rotwildfotografie europaweit.

Vor Ort gibt es leider keine erschwinglichen Unterkünfte. Dänemark ist eben enorm teuer. Dafür hat man die Möglichkeit, im Camper oder Van auf einem der vor den Toren des Parks gelegenen Parkplätzen zu übernachten. Auch der Lebensunterhalt ist in Dänemark teuer. So ist man gut beraten, bereits mit reichlich Verpflegung anzureisen. Auf den Parkplätzen im Osten zwischen Ostsee und dem Park finden sich immer Naturfotografen aus den europäischen Nachbarländern. Gelegenheit zum Fachsimpeln gibts also zu genüge. Die Wege im Park sind weit aber gut ausgebaut und so bietet sich der Transport der Fotoausrüstung mit dem Fahrrad und einem Anhänger an. So ist man jederzeit in der Lage auf sich bietende Motive schnell zu reagieren. Das Haupt-Brunfgeschehen spielt sich südlich der Eremitage zwischen den auf den Karte markierten Punkte 9, 10, 11 und 12 ab. In den schönen Waldbeständen und teils auch auf den Freiflächen finden sich hier die interessantesten Motive.


Darf´s ein bisschen mehr sein?

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