Frank Körver - Naturfotografie, La Hoegne

Galerie 183 – Eau rouge

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Ein Geheimtipp ist sie nicht mehr, die „Hoegne“. Der malerische Bachlauf liegt unweit des westlichen Randes des „Parc naturel Hautes Fagnes“, dem belgischen Teil des Hohen Venns, in den Ardennen.

 

Von meinem Zuhause ist das Kleinod in nur 2 ½ Stunden Autofahrt erreichbar. Der interessanteste Teil des Gewässers liegt zwischen dem Parkplatz Pond de Belheid und dem schönen Örtchen Hockai. Auf dieser Strecke legt der Bach eine Distanz von knapp vier Kilometern und einen Höhenunterschied von 150 Metern zurück. Während die nördliche Hälfte des Bachabschnittes, von kleineren Kaskaden unterbrochen, eher ruhig durch den schönen Buchenwald fließt, kann man im südlichen Teil Nahe Hockai die wildere Seite der Hoegne erleben. Das Wasser des Baches wird im Wesentlichen aus Quellen des Venns gespeist und ist deshalb durch die hohe Konzentration an Huminstoffen rotbraun gefärbt. Daher auch der Name „Eau rouge“, also rotes Wasser. Dabei ist natürlich nicht das Wasser selbst sichtbar rot, sondern das eingefärbte Sediment und die Felsblöcke des Bachbettes bestimmen die Farbgebung. Bei Sonnenlicht bekommen die Kolke und Stromschnellen die goldgelbe Farbe eines reifen Whiskeys. Auch das Buchenlaub spiegelt sich im Frühjahr oder Herbst im Wasser und verleiht der Szenerie zusätzlich wunderschöne Farbverläufe. In den Kolken bilden sich häufig Strudel und Wirbel. Treibende Blätter oder Schaum hinterlassen hier herrliche Farbwirbel im Fotomotiv.

 

Fotografisch hat man hier alle Möglichkeiten, wenngleich im Wesentlichen Weitwinkelobjektive zum Einsatz kommen. Ein Stativ, Kabelauslöser, Grau-/Verlaufs- und Polfilter, sowie eine Kamerawasserwaage sind ebenfalls unerlässlich. Gummistiefel sind mindestens erforderlich, um schöne Standpunkte mitten im Bachlauf zu finden. Ansonsten sollte man natürlich ausreichend Zeit und Muße mitbringen, um den Bachlauf mit allen Sinnen zu genießen.

Das Örtchen Hokai wartet mit einem kleinen Hotel und einer Pension auf, so dass man auch vor Ort Übernachten kann. Weitaus günstiger und flexibler ist natürlich eine Übernachtung im Auto. Hier bietet sich einmal der nördlich gelegene Parkplatz Pond de Belheid oder aber die Zuwegung zur Location Villa Sérénité an. Diese Haus liegt nur unweit des Bachlaufs und bildet den Startpunkt für die Fototour aus Richtung Hockai. Wenn das Licht zu hart wird, kann man in den Pausen im Chalet du Pond de Belheid im Biergarten entspannen. Die beste Zeit zum Besuch der Hoegne ist ohne Zweifel der Frühling nach Laubausbruch der Buche oder im Herbst, wenn die Laubbäume wieder gelb und rot leuchten. Dabei ist aber zu beachten, dass sich der Laubaustrieb durch das raue Klima der Ardennen deutlich später vollzieht und die Herbstfärbung ebenso früher einsetzt, als dies bei uns in Mitteldeutschland der Fall ist. Besondere Licht- und Wetterstimmungen sind natürlich von Vorteil. So sind Nebel und Regen Garanten für stimmungsvolle Fotos und weitaus besser geeignet als sonnige Tage. Ebenso sollte man Feiertage oder Wochenenden meiden, denn wie gesagt, die Hoegne ist leider kein Geheimtipp. Also, Klamotten gepackt und auf in die Ardennen … Es lohnt sich!

Der Besuch an der Hoegne lässt sich übrigens hervorragend mit einer Kurzvisite im Hohen Venn verbinden. Der bekannte Startpunkt für Wanderungen und Fototouren im Venn, das Touristen-Gasthaus „Baraque Michel“ ist nur wenige Kilometer von Hockai entfernt.

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